Ich sitze in einem leeren Abteil,
die verschiedensten Menschen eilen vorbei.
Sie hasten, blicken sich um,
stellen sich tausend Fragen,
doch nach außen bleiben sie stumm.
Keiner soll merken, welche Gedanken sie plagen.
Was erwartet sie heute?
Altbekannte oder völlig fremde Leute?
Neue Herausforderungen,
mit denen man fertig werden muss?
Lang ersehnte Berührungen
und ein zarter Wiedersehenskuss?
Vielleicht auch Ärger, Trauer, Krankheit?
Oder neues Leben und pure Heiterkeit?
Bahnhöfe sind sonderbare Orte.
Es passiert so viel,
doch man wechselt nicht viele Worte,
jeder denkt nur an sein eigenes Ziel.
Interessiert es niemanden, was in uns vor geht?
Sind wir so gleichgültig geworden, dass man stur aneinander vorbei lebt?
Oder ist so viel passiert, dass wir anderen Menschen nicht mehr trauen?
Wollen wir es nicht zulassen, dass sie uns direkt in unsere Seele schauen?
Das Abteil füllt sich mittlerweile,
verschiedene Menschen begleiten mich jetzt ein Stück.
Sobald sie hier sitzen, scheinen sie nicht mehr so in Eile.
Doch wir tauschen nichts aus bis auf einen kurzen Blick.
Die Menschen hier einzuschätzen fällt mir schwer.
Die meisten ihrer Gesichter wirken so leer.
Sie wollen sich nicht hinter ihre Fassade blicken lassen,
ihre Geschichte, ihr Leben ist für mich nicht zu fassen.
Wir teilen ein paar Stunden, vielleicht auch nur Minuten unserer Zeit.
Die Erinnerung an diese Menschen begleitet mich aber wohl nicht mehr weit.
Weil andere hinzukommen oder ich umsteige;
unsere Lebenswege haben sich gekreuzt, aber es gibt so unendlich viele Abzweige.
Ich weiß, dass jeder von ihnen seine eigenen Sorgen und Wünsche mit sich trägt
und bin gespannt, wo es mich als nächstes hin verschlägt.



