Was der Wirtschaft fehlt

Wieso streben Unternehmen nach immer höheren Gewinnen, obwohl sie schon grüne Zahlen schreiben? Nun, diese Frage könnte ganz leicht beantwortet werden: dass die Mitarbeiter auch in Zukunft einen Arbeitsplatz haben, man das Unternehmen ausbauen kann um neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Menschen Sicherheit, Stabilität und vor allem mehr Geld bieten kann.

Bedrucktes Papier Quelle: sportgeschiedenis.nl

Es mag mit Sicherheit Unternehmen geben die so handeln, allerdings sind dies die weißen Schafe in einer schwarzen Herde. Nur zu oft hört man von Unternehmen, wie beispielsweise Nokia, die ganze Produktionsstätten in Deutschland schließen, obwohl sie höhere Gewinne als im Vorjahr erzielt haben, um dann billiger im Ausland produzieren zu können. Wieso tut man dies? Wieso wetten Börsenmakler auf fallende Kurse von einem Unternehmen und bereichern sich an deren Verluste? Wieso gehen Unternehmen Pleite, wenn verschiedene Investmentbanken grundlos ihre Investments zurückziehen, nur weil sie woanders mehr Gewinn wittern?
Auch eine einfache Antwort: Unsere Wirtschaft hat verlernt emotional, vor allem im sozialen Sinne, zu handeln. Würde ein Nokia-Manger, der höhere Gewinne als im Vorjahr erzielt hat, wenn er aus seinen Emotionen heraus handeln würde wirklich ein gesamtes Werk schließen? Ich denke nicht. Denn diese Führungspersonen sind auch nicht umsonst in diesen Positionen gelandet, sie haben meist einen langen Karriereweg hinter sich und wissen was Verantwortung heißt, zu mindestens sollten sie dies wissen.
Die Wirtschaft beruht heutzutage viel zu sehr auf Zahlen und nicht mehr auf menschlichen Werten.  Früher war das einmal anders. Die alte Wirtschafts- und Führungselite pochte immer darauf, dass es ihren Angestellten gut geht und nicht nur dass die Zahlen stimmten. Die Zahlen müssen stimmen, dies steht außer Frage, sonst ist kein Unternehmen zu führen, jedoch muss das Wohlergehen der Angestellten immer berücksichtigt werden.
Warum hat sich das geändert? Durch Erneuerungen, vor allem aus  dem amerikanischen System heraus, ganz dem Motto up- or- out wird die Jugend verschleißt. Die Jugend-die zukünftige Führungsebene. Natürlich stellt sie kein Bezug zu den Angestellten her, wenn sie selbst nur benutzt wurden. Also warum diese Einführung des neuen Systems? Auf kurze Sicht gesehen bringt es den meisten Profit. Da nur noch sehr selten auf lange Sicht geschaut wird, dank der schnelllebigen Börse, nimmt man natürlich lieber das in Kauf.

Böresenkurse Quelle: casinopilot.net

Ich jedoch denke, dass die ganzen großen deutschen Erfolgsunternehmen, wie z.B. Siemens, Thyssen Krupp oder Volkswagen nur so groß werden konnten, weil sie langfristig gedacht haben und mit ihren Angestellten gearbeitet haben, nicht gegen sie. Eben diese Führungsebenen der früheren Generationen wurde bereits angesprochen. Sie repräsentierten das Unternehmen, sie waren das Unternehmen und gaben alles für dieses. Auch wenn etwas schief ging, haben sie sich nicht mit einer Millionen Abfindung rauskegeln lassen, sondern haben den Fehler ausgemerzt und blieben dem Unternehmen treu, so konnte der Fehler nicht noch einmal passieren, weil sie dem Unternehmen erhalten blieben. Das ist der nächste Punkt auf den ich eingehen möchte, dass naive Denken, dass junge Angestellte „besser“ sind als alte. Natürlich bringen junge Angestellte neuen Schwung in ein Unternehmen und viele neue Ideen. Aber ob diese Ideen umsetzbar sind, können Leute die schon Jahre bis Jahrzehnte in einem Unternehmen waren häufig auf einen Blick sehen. Also warum ältere Mitarbeiter mit einem sogenannten Sozialplan nach und nach rauswerfen, wenn man dieses Wissen so sehr gebrauchen und nutzen kann? Die jungen Wilden werden wahrscheinlich genau die gleichen Fehler nochmal machen, die die älteren Angestellten schon mal gemacht haben, das könnte durch ein zurückfinden zu früheren Systemen komplett gespart werden.
Meiner Meinung nach gibt es noch eine Chance die Wirtschaft zu retten bevor wir jedes Jahr vor einer Finanz- oder letztlich sogar vor einer Wirtschaftskrise stehen. Viele der alten Führungsebene leben noch, sind teilweise sogar noch in Aufsichtsräten tätig. Also warum nicht dieses Wissen weitergeben. Nicht nur das Wissen, sondern auch das Denken und das emotionale Handeln?
Dafür muss ein Umdenken stattfinden. Kurz nachdem es wieder aufwärts ging nach der Finanzkrise dachte ich, dass dieses Umdenken eingeläutet wurde. Aber kaum geht es uns wieder gut, wird wieder wild an den Börsen spekuliert und sich das große schnelle Geld erhofft.
Mein Aufruf, die Wirtschaft ist kein kurzlebiges Geschäft, sondern ein sehr langes. Umdenken ist angesagt und wie auch im Sport ist die perfekte Mischung aus Jung und Erfahren zu bilden. Wer ist denn nicht froh in einer aussichtlosen Situation einen Rat von jemand Erfahrenes zu bekommen, gleich ob das jetzt private oder wirtschaftliche Dinge betrifft!?

Über den Autor

Felix Ertl

Felix Ertl | Badischer Bub, Wiener BWL-Student

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